Ein Cliffhanger: Was ist das?

Wichtiges Element im Bereich Spannung, Suspense

 

Beschreibung der berühmten Spannungstechnik

Unter Cliffhanger versteht man eine wichtige, sehr häufig benutzte Technik zur Steigerung der Spannung. Sie wird in Büchern am Ende einer Szene oder eines Kapitels, in Fernsehserien am Ende der Serie und in Kinofilmen am Ende einer Szene eingesetzt.

Cliffhanger

Übersetzt bedeutet das Wort Klippenhänger. Man stelle sich vor, eine Person hängt an einer Klippe – wir wissen nicht, wird sie sich halten können oder stürzt sie ab? Und in genau diesem Moment verlassen wir sie, widmen uns einem anderen Teil der Geschichte (im Buch oder im Kinofilm), oder vertrösten das Publikum auf die Fortsetzung in der kommenden Woche (in der Fernsehserie oder im Fortsetzungsroman).

Der Cliffhanger lebt von einer extrem spannenden Situation, die nicht bis zum Ende erzählt, sondern auf dem Höhepunkt unterbrochen und erst später weiter erzählt wird.
Er dient somit der Steigerung der Spannung. Und das nicht nur in den typischen Spannungsgeschichten wie Krimis oder Thrillern, sondern ist als Spannungstechnik in jedem beliebigen Genre einsetzbar.

 

Warum man Cliffhanger einsetzt:

  • Zur Steigerung der Spannung
  • Um ein nachfolgendes Produkt zu verkaufen, als Mittel der Kundenbindung

Verschiedene Einsatzmöglichkeiten:

  • In früheren Zeiten in Fortsetzungsromanen, um den Verkauf der nächsten Ausgabe der Zeitschrift zu erhöhen
  • Innerhalb eines Buches am Ende einer Szene/eines Kapitels, um die Spannung zu steigern, das Gleiche gilt auch für Filme
  • Bei Fernsehserien, damit Zuschauer beim nächsten Mal wieder einschalten
  • Bei Büchern, die eine Fortsetzung haben, damit Leser den Folgeband kaufen
  • Auch in Sachtexten, Dokumentationen und Reality TV Formaten werden häufig Cliffhanger eingesetzt
  • Im TV häufig vor der Werbepause, um die Zuschauer dazu zu bringen, nicht wegzuzappen

 

Empfehlung an AutorInnen für den Einsatz von Cliffhangern

  • Innerhalb einer Geschichte kann man diese Technik wunderbar einsetzen, um die Spannung zu steigern. Man kann eine Szene schrittweise zuspitzen, bis die Handlung an einen Punkt kommt, wo es um richtig viel geht. Dann brechen Sie ab und wenden sich einem anderen Erzählstrang zu. Und natürlich fragen sich Ihre Leser beim Weiterlesen die ganze Zeit, wie die vorige Szene wohl ausgeht und … blättern die Seiten immer schneller um und … vergessen zu schlafen!
  • Das heißt aber nicht, dass Sie jedes Kapitel auf diese Weise enden lassen sollten. Früher oder später wird das Ihren Lesern nämlich auf die Nerven gehen und dann hätten Sie das Gegenteil von Ihrem eigentlichen Ziel erreicht: Ihr Buch wird zur Seite gelegt, die Leserin gähnt, legt sich gemütlich hin und schläft ein.
  • Am Ende eines Romans: Wenn Sie (noch) keine Bestseller Autorin sind, würde ich Ihnen nicht unbedingt empfehlen, Ihren Roman mit einem Cliffhanger zu beenden, mit dem Ziel, auf diese Weise den Folge-Roman besser zu verkaufen. Denn, um es einmal ganz offen zu sagen: Sie wissen nicht, ob Ihr Verlag überhaupt einen zweiten Roman von Ihnen will. Sollte sich der erste nicht gut verkauft haben, kann es sein, er lehnt dankend ab. Dann hätten Sie Ihre Leser auf die Folter gespannt und dann für immer hängen lassen. Nicht gut!
    Es könnte auch sein, – was bei Schreib-Einsteigern tatsächlich häufig vorkommt –, dass Sie, nachdem Ihr erster Roman veröffentlicht wurde, keine so rechte Lust haben, einen zweiten zu schreiben. Auch in diesem Fall würden Sie Ihre Leser mit dem Cliffhanger quasi im Regen stehen lassen. Daher unser Rat: Erst mal Finger weg von Cliffhangern am Ende des ersten Buches.

 

Inflationärer Einsatz von Spannungstechniken wie Cliffhanger

Selbstverständlich ist es wie bei den anderen handwerklichen Techniken auch, man kann sie plump und in jedem zweiten Kapitel einsetzen oder wohldosiert, auf originelle, witzige bzw. feinsinnige Art. Und je nachdem verärgert man den Leser oder man bewirkt, dass er die Seiten immer schneller umblättert, zwischendurch hektisch an den Nägeln kaut, sein Herz rast und am nächsten Morgen der Wecker viel zu früh klingelt.

 

Die Geschichte des Cliffhangers

Tatsächlich geht die Idee mit der Klippe auf einen Roman von Thomas Hardy zurück. Sein „A pair of blue eyes“ (1873) wurde, wie es damals üblich war, zuerst in einer Zeitschrift als Fortsetzungsroman veröffentlich. Monatlich gab es eine weitere Fortsetzung im Tinsley’s Magazine. In einer Szene passierte es dann: Bei einem Spaziergang entlang der steilen Klippen am Bristol Channel stürzt Henry Knight, angehender Liebhaber der blauäugigen Protagonistin, ab und kann sich gerade nur noch an einem Grasbüschel festhalten.
Wird das Gras halten?
Wird die Kraft in seinen Händen ausreichen?
Oder wird er in den sicheren Tod stürzen?

Die Spannung war schier nicht auszuhalten! Die Leser des Tinsley’s Magazines mussten einen vollen Monat darauf warten, bis ihnen diese bangen Fragen beantwortet wurden. Und während Henry also einen ganzen Monat lang an einer Klippe hing, fiel diese Technik einigen anderen Autoren auf, sie bekam den Namen Cliffhanger und ist seitdem eine der am häufigsten verwendeten Techniken zur Spannungssteigerung.
Übrigens ganz nebenbei bemerkt:  Henry hat es geschafft!

 

Thomas Hardy, Erfinder des Cliffhangers, in Kürze:

Falls Sie sich fragen, wer eigentlich dieser Thomas Hardy war: Vielleicht haben Sie ja einmal den mit Nastassia Kinski wunderbar besetzten Film „Tess“ gesehen? Er basiert auf dem Roman „Tess of the d’Urberville“ von Thomas Hardy. Der britische Schriftsteller (1840 – 1928) war ursprünglich Architekt, arbeitete als Kirchenrestaurator und schrieb nebenher die Wessex-Romane, mit denen er berühmt wurde. Viele weitere Romane folgten, darunter auch „Tess of the d’Urbervilles“ (in deutscher Übersetzung als „Tess von den d’Urbervilles“ und als „Tess“ veröffentlicht) sowie „A Pair of Blue Eyes“ (auf Deutsch unter „Blaue Augen“ veröffentlicht).

 

 

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