Die Normseite: Manuskript professionell formatieren!

Wichtig für Autoren: Normseiten, Maßeinheiten für Manuskriptseiten

 

Sie taucht immer wieder auf und verunsichert Autoren und Autorinnen, wird häufig bei Wettbewerben, Preisausschreibungen, von Verlagen für die Manuskripteinreichung und bei Veröffentlichungen in Anthologien gefordert. Daher fragen auch unsere Teilnehmenden von Kreativ-Schreiben-Kursen immer wieder nach der Normseite.

Hier erfahren Sie, was es damit auf sich hat und ob man sich heutzutage, im Zeitalter der Computerformatierung, überhaupt noch damit abgeben muss.

 

Die Normseite, wozu eigentlich?

Sie werden es vielleicht schon einmal festgestellt haben: Je nachdem, welche Schriftgröße, welchen Zeilenabstand Sie für einen Text verwenden, wie breit die Ränder gewählt wurden: einmal kommen mehr und einmal weniger Seiten dabei heraus.
Wir haben es für Sie ausprobiert:

Wir haben 5 Textseiten, die den Vorgaben einer Normseite entsprechend formatiert waren, umformatiert:

  • die Randabstände rechts und links auf Null
  • oben und unten auf Null,
  • den Zeilenabstand auf Eins,
  • die Schriftgröße auf Acht

gestellt und am Ende kam nur noch eine Seite heraus.
Aus Fünf mach Eins!

Stellen Sie sich einmal eine Lektorin vor, die von einem Autoren die Information erhält: Mein Roman hat 200 Seiten. Sagt ihr das etwas? Nein, denn das können, als Buch gedruckt, auch nur 100 oder vielleicht sogar 1000 Seiten bedeuten.
Kurz:  Man braucht eine Seite, die eine Seite, die eine Seite ist …

Deshalb wurde die Normseite eingeführt, als Maßeinheit für die Länge eines Manuskriptes.

 

Die Normseite, wie es einst auf der Schreibmaschine begann …

Früher, die älteren unter uns mögen sich noch daran erinnern, schrieb man seine Texte noch mit der Schreibmaschine. Da man eine einheitliche Seite brauchte, denn sowohl Übersetzer, als auch Lektoren und manchmal auch Autoren werden pro Seite bezahlt, einigte man sich bei der Textbreite auf insgesamt 60 Anschläge pro Zeile (auf Computerdeutsch bedeuten Anschläge alle Zeichen inklusive Leerzeichen). Außerdem wurde als einheitliche Seitenlänge 30 Zeilen festgelegt und schon war die Normseite geboren.

Auf der Schreibmaschine bekamen die Buchstaben üblicherweise alle die gleiche Breite, egal, ob es sich um das schmale „i“ oder um das breite „m“ handelte. Daher war es kein Problem, eine einheitliche Breite für Texte festzulegen und einzustellen.

 

Normseiten auf dem Computer

Der Ärger bzw. die Ungenauigkeit begann mit dem Computer oder besser gesagt mit den Proportionalschriften. Wenn Sie die nichtproportionale Schriftart Courier einstellen, brauchen Sie für jeden Buchstaben die gleiche Breite. Aber die meisten anderen Schriftarten, die im Übrigen viel angenehmer zu lesen sind, sind sogenannte Proportionalschriften (Times New Roman, Arial oder Calibri u.v.m). Sie benutzen für schmale Buchstaben wie „i“ weniger Platz als für breite Buchstaben wie „w“ oder „m“. So passen also bei Proportionalschriften in eine Zeile ganz unterschiedlich viele Buchstaben. Und schon ist es nicht mehr möglich, genau einzustellen, wie viele Buchstaben eine Zeile haben soll, denn üblicherweise besteht ein Text ja aus unterschiedlichen Buchstaben.

Deshalb kann man, wenn man Proportionalschriften wie Times New Roman etc. verwendet, eine Normseite nur über den Daumen gepeilt einstellen.
Außerdem enthält eine Normseite je nach Textinhalt einmal viele Zeichen oder, wenn zum Beispiel viele Dialoge oder Absätze vorkommen, weniger Zeichen.

Was also tun?

 

Wie kann man auf dem Computer eine Normseite einrichten?

Wollen Sie die 60 Zeichen pro Zeile exakt erreichen, arbeiten Sie am besten mit Courier, das ist eine nichtproportionale Schrift, da kann man genau 60 Zeichen pro Zeile festlegen, unabhängig davon, ob die Zeile viele „i“ oder „m“ enthält. Stellen Sie außerdem 30 Zeilen pro Seite ein.

Sollten Sie mit einer Proportionalschrift wie Times New Roman o. ä. arbeiten wollen, wird es ein bisschen komplizierter. Erst mal: sich nicht verrückt machen! Stellen Sie eine Seite auf 30 Zeilen und auf ungefähr 60 Zeichen pro Seite ein. Lassen Sie links und rechts viel Rand, auch oben und unten und dann überprüfen Sie einmal, wie viele Zeichen Sie auf der Seite haben. Sind es zwischen 1500 und maximal 1800, entspricht das in etwa einer Normseite.
Sie können sich auch von vielen Webseiten die entsprechende Vorlage herunterladen, aber die meisten unserer Kursteilnehmer kommen damit nicht so richtig klar, daher hier nur eine grobe Anleitung, die man für verschiedene Schreib-Programme nutzen kann:

 

Einstellung einer Normseite mit Proportionalschrift, über den Daumen gepeilt

Times New Roman, Schriftgröße12, anderthalbzeilig, oben 2,5 cm, unten 2,5 cm, links 5 und rechts 4,5 cm Rand.

Wenn Sie eine solchermaßen formatierte Seite mit Text füllen, diesen dann markieren und nachschauen, wie viele Zeichen inklusive Leerzeichen das sind, sollte eine Zahl so um die 1500 herauskommen. Da die Zahl 1800 die Maximalzahl ist (30 Zeilen mal 60 Zeichen, inkl. Leerzeichen), die ein Text in der Realität nie erreicht, hat die VG Wort die durchschnittliche Zeichenzahl (inkl. Leerzeichen) pro Seite auf 1500 festgelegt. Dies wird dann besonders wichtig, wenn beispielsweise Lektoren oder Übersetzer pro Seite bezahlt werden.

Übrigens das Zählen der Zeichen müssen Sie nicht von Hand machen, die meisten Schreibprogramme können das für Sie übernehmen. Text markieren und nach einer Funktion „Wörter zählen“, „Überprüfen“, „Statistik“ oder Ähnlichem suchen und schon kann man die Zeichenzahl ablesen.